Blond, rot, braun, schwarz… Wir lieben sie einfach alle. Heute entspricht die Farbenvielfalt der Biere einem köstlichen Blumenstrauß des Genusses. Und dennoch wird Bier hierzulande vor allem mit dem Bild des „kühlen Blonden“ wahrgenommen. Denkt man an Bier, denkt man an glänzend blonde Färbung, dabei war das die längste Zeit nicht so – Wir gehen auf die Suche, wie das Bier blond wurde.

Gesunde goldgelbe, blonde Färbung. Eine exakt bemessene Schaumkrone. Passendes Glas. Drei Bausteine, aus denen Träume gemacht sind 😀 . Heute haben wir vor allem dieses idealtypische Bild im Kopf, wenn wir an unser Lieblingsgetränk denken. Doch das zeigt nur das halbe Bild, denn einerseits ist die Farbvielfalt von Bieren wesentlich umfangreicher, als man denkt, ruft man sich dunkle Spezialitäten wie das Hirter Morchl oder 1270 in Erinnerung. Und andererseits ist das Bild vom „kühlen Blonden“ tatsächlich ein vergleichsweise junges – Erst im 19. Jahrhundert wurde das Bier endgültig blond. Doch wie kam es dazu?

Bis tief ins 19. Jahrhundert hinein war Bier im wahrsten Sinne des Wortes eine dunkle Angelegenheit. Die historischen Gründe dafür sind im Wesentlichen zweierlei. Zum einen wurden über die Jahrhunderte verschiedene Darrtechniken angewandt, die das Malz bei der Trocknung sehr dunkel werden ließen. Man trocknete die Malze nämlich direkt über dem Feuer, so reagierten sie mit einer entsprechenden, charakteristischen Färbung. Diese Färbung übertrug sich dann natürlich auch auf das Endprodukt, das Bier, das dann ebenfalls nicht gerade hell ausfiel. Doch ein weiterer Aspekt trug wesentlich zur Farbgebung der historischen Biere bei, nämlich der elementarste Grundstoff: Das Wasser. Die Färbung des Bieres hing früher direkt mit seiner Herkunft zusammen, aus Gebieten mit härterem Wasser kannte man vor allem dunkle Biere, die helleren stammten vornehmlich aus Gegenden, die von weichem Wasser geprägt waren. Die Wasseraufbereitung war damals noch nicht bekannt, erst als diese Technologie in die Welt trat, war auch darüber die Anpassung der Bierfarbe möglich.

Doch warum entwickelte sich der Trend ausgerechnet in die Richtung goldgelb? Warum wird heute nicht euphemistisch vom „kühlen Braunen“ oder „kühlen Roten“ gesprochen?
1842 begann im damals österreichischen, heute tschechischen Pilsen eine Art Revolution des Brauens. Das zuvor in der Stadt gebraute Bier hatte einen beinahe legendär schlechten Ruf. So schlecht sogar, dass aus Protest regelmäßig mehrere Fässer des Pilsner Bieres am Rathausplatz ausgeschüttet wurden. Allen Beteiligten war klar: Es musste sich etwas ändern. Deshalb entwickelte der bayerische Braumeister Josef Groll für Pilsen ein völlig neues, eigenes Bier: Das Pilsener, auch als Pils bekannt, war geboren. Die Nachricht über den ausgezeichneten Geschmack des golden blonden Bieres verbreitete sich wie ein Lauffeuer, bald galt dieser neue Bierstil als der Trend seiner Zeit. Für zahlreiche Brauereien, vor allem in Mitteleuropa, galt es bald als chic und angebracht, den hellen Stil zu imitieren, auf dieser Welle mitzureiten. Dieses Ausmaß an Beliebtheit blieb bis heute ungebrochen und hat im Endeffekt sogar ein ganzes Bild des Bieres als solches geschaffen.

Für uns ist dennoch eines ohne Frage: Unsere Leidenschaft gilt allen Bierfarben. Denn alle sind auf ihre Art einzigartig, charakteristisch, und vor allem eines: Köstlich. 😊