Seit vergangenem Mittwoch ist es wieder für viele Menschen soweit – Bis Ostern üben sie sich im Verzicht, meistens auf etwas, das besonderes Vergnügen bereitet. Alkohol, Fleisch, Kaffee, Zigaretten, Süßigkeiten oder anderes fällt für motivierte Faster flach. Für die einen körperliche Reinigung und mentale Prüfung, für die anderen schlicht eines: Die Hölle auf Erden. Ob nun aus tiefster Überzeugung, oder aus weitaus profaneren Gründen wie etwa einer Wette, die Gründe, die Fastenzeit einzuhalten, sind vielfältig. Wir haben uns diesem jahrtausendealten Brauch angenähert.

Der Fastenbrauch ist nicht nur im Christentum bekannt – In den Religionen dieser Welt ist es fest verankert: Buddhisten fasten regelmäßig und Muslime fasten während des Ramadans. Auch ausdrücklich unreligiöse Menschen nehmen die Fastenzeit zum Anlass, sich einer Willensprüfung zu unterziehen oder ihren Körper zu entgiften.  Und das aus gutem Grund, denn die heilsame und regenerierende Wirkung des Fastens ist nicht bloß ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Etliche Studien haben mittlerweile bewiesen, dass fasten eine der effektivsten Methoden zur Heilung des Stoffwechsels, Bluthochdruck, Schlaflosigkeit und vielen weiteren Leiden ist. Dennoch halten sich viele Irrtümer und Mythen um dieses Thema sehr hartnäckig, heute machen wir aber reinen Tisch.


„Das könnt ich nicht, da muss ich ja hungern!“. Dieses oder ähnliche Argumente tauchen im Rahmen dieser Diskussion immer wieder auf. Ihr könnt es euch schon denken, viel Wahrheit liegt da nicht drin. Wer hungert, der fastet nicht und wer richtig fastet, der hungert nicht – so ein altes Sprichwort. Es ging beim Fasten nie um den Verzicht bis zur völligen Erschöpfung der Energiereserven. Es steht im 21. Jahrhundert für einen bewussten Umgang mit Lebens- und Genussmitteln, um durch die selbstauferlegte Verknappung den Wert dieser Dinge wieder neu zu schätzen zu lernen. Mit dem büßenden Charakter früherer Zeiten hat es heute kaum noch etwas gemein.

„Alkohol ist während der Fastenzeit generell verboten.“ – Viele Menschen leben das heutzutage so, und ihr würdet euch wundern, wie oft gerade der Verzicht auf köstliches Bier das absolute Schreckensszenario darstellt, das Menschen vom blanken Versuch abhält. Aber aufgepasst: Diese Haltung ist geschichtlich betrachtet ein Irrtum. Das Fastengebot wurde früher wesentlich strenger eingehalten als heute, für viele Menschen war der Alltag aber von harter körperlicher Betätigung geprägt und sie benötigten ein Mindestmaß an Kalorien, um diese Arbeiten verrichten zu können. Aus diesem Grund war der Grundsatz der katholischen Kirche: „Liquida non frangunt ieunum“, zu Deutsch: Flüssiges bricht das Fasten nicht.

Mönche in mittelalterlichen Klöstern entwickelten aufgrund dieser Periode der Flüssigernährung ein Getränk, dass es ihnen erlaubte bei Kräften zu bleiben. Es entstand das Fastenbier, das „flüssige Brot“. Die mittelalterliche Braukultur war ohnehin in den Klöstern beheimatet, allerdings wurde meist ein leichtes „Dünnbier“ gebraut. In der Fastenzeit reichte der Gehalt dieses Bieres aber nicht mehr aus, man begann Kräftigeres zu brauen. Besonders in den Klöstern mit striktem Verbot fester Nahrung war der Konsum von süffigem Starkbier unumgänglich. Bis zu fünf Mal am Tag durften die Mönche ihren Krug mit dem stärkenden Gebräu auffüllen. Der gängige Wert von 40 Tagen Dauer der Fastenzeit ist übrigens ebenfalls irreführend, wären es doch eigentlich 49 Tage – Allerdings werden nach christlicher Tradition die Sonntage nicht gezählt 😉

Wir wünschen euch, falls ihr diesen Weg heuer auf euch nehmt, alles Gute und viel Durchhaltewillen und wollen euch zum Abschluss noch ein Sprichwort mitgeben: „Das Wasser gibt dem Ochsen Kraft, dem Menschen Bier und Rebensaft. Drum danke Gott als guter Christ, dass du kein Ochs geworden bist.“ Und nicht vergessen, kein Bier wird jemals so gut schmecken, wie das erste nach dem fasten. 😉