Bräuche und Bier. Kaum zu trennen, teilweise seit Jahrhunderten überliefert, und – allseits bekannt? Auf manche mag das zutreffen, aber von einer Vielzahl an historischen Bräuchen rund um das Thema Bier habt ihr bestimmt noch nie gehört. Heute wollen wir euch einige dieser Brauchtümer vorstellen und euch einiges näherbringen, das zum Teil schon in Vergessenheit geraten ist.

Beginnen wollen wir mit einem Bierbrauch, der ziemlich sicher der am weitesten verbreitete und akzeptierte weltweit ist: Wir alle haben es schon hunderte Male getan, und werden damit wohl auch in näherer Zukunft nicht aufhören. Das Anstoßen und Absetzen. Freilich mehr Brauch als Brauchtum, jedoch unentwirrbar mit dem Bier trinken verwoben, ist es eine Jahrhunderte alte Tradition. Aber warum? Ihr ahnt es schon – restlos aufgeklärt sind die Wurzeln dieses Brauches nicht, aber es gibt eine Erklärung, die gemeinhin als die wahrscheinlichste gilt. Der Grund ist einer, der heute glücklicherweise nicht mehr dieselbe Bedeutung hat wie früher. In mittelalterlichen Zeiten konnte man als einflussreicher Mensch nur wenigen Leuten vertrauen, die Intrige war ein allgegenwärtiges Phänomen. Um seine Vertrauenswürdigkeit zu demonstrieren und zu zeigen, dass man dem gegenüber beispielsweise kein Gift ins Getränk geschüttet hatte, stieß man die Bierkrüge so fest aneinander, dass das Bier in die anderen Krüge überschwappte, und alle anwesenden somit „aus demselben Krug“ tranken. Diese freundschaftliche Geste hat sich bis ins Heute gehalten.

Um überhaupt etwas zum Anstoßen zu haben, musste gerade auf Volksfesten das Bier zunächst aus seinem Behältnis befreit werden. Wird heute mit komplexer Schanktechnik das Bier aus Metallfässern mittels Druck ins Glas befördert, musste in früheren Zeiten jedes Fass, damals noch ausschließlich aus Holz gefertigt, „angeschlagen“ werden. Dabei wurde ein Zapfhahn mittels eines Schlegels in jedes Bierfass eingehämmert. Damals wie heute besteht die besondere Kunst hierbei darin, den Hahn mit möglichst wenigen Schlägen in das Fass zu bekommen und zugleich zu vermeiden, dass zu viel Bier verspritzt wird. Vor hunderten von Jahren trug es sich zu, dass das Anstechen des ersten Fasses als Festakt zelebriert wurde. Das ist bis heute so, allerdings handelt es sich heutzutage freilich vor allem um eine rein symbolische Geste. Die positiven Emotionen und die feierliche Stimmung sind bis heute geblieben. Wenn ihr also beim nächsten Mal dem Hirter Bockbieranstich oder dem feierlichen Anstich des ersten Hirter Bierfasses am St. Veiter Wiesenmarkt beiwohnt, dann wisst ihr, warum wir diese Tradition feiern.


Foto (c) Hannes Krainz

Kehren wir zu einem Brauch zurück, der einst sowohl feierlichen als auch prüfenden Charakter hatte, heute aber weitestgehend in Vergessenheit geraten ist. Im heutigen Österreich und Deutschland wurde die Qualität des Bieres mit Lederhosen überprüft. Ja, ihr habt richtig gelesen. In den Jahrhunderten nach der Einführung des deutschen Reinheitsgebots wurde diese „Lederhosenprüfung“ zu einer Art öffentlichem Happening: Eine reichliche Menge des frisch gebrauten Bieres wurde auf eine Bierbank aus Eichenholz gegossen. Daraufhin wurden ein paar junge Männer, meist Lehrlinge des zu überprüfenden Brauers, in Lederhosen auf diese Bank gesetzt, auf der sie bis zu zwei Stunden ruhig sitzen zu bleiben hatten. Die Lederhosen sogen sich mit dem Bier voll und trockneten anschließend in der Sonne. Standen die Burschen dann gleichzeitig auf und die Bank blieb an den Hosen kleben, hatte der Brauer seine Arbeit gut gemacht, nicht an Malz gespart, und wurde anschließend in einem rauschenden Fest gefeiert. Erst wenn der Hosentest bestanden war, durfte er sein Bier ausschenken.

Wir hätten an dieser Stelle noch viele weitere Bräuche aufgreifen können, aber damit hätten wir wohl den Rahmen gesprengt – Aber wer weiß, vielleicht gibt’s ja einen zweiten Teil 😉