Seit vor etwa 6.000 Jahren im fernen Mesopotamien der erste Vorreiter des heutigen Bieres entstand, ist die Beliebtheit des „Gerstensaftes“ ungebrochen. Unzählige Male totgesagt, als nicht trendy und cool genug angesehen, hielt sich vor allem in Österreich die Bierleidenschaft konsequent – Und stößt gerade wieder in neue Ebenen vor, wie sie es immer getan hat. Wir begeben uns auf eine Spurensuche, wo denn diese unbeugsame Leidenschaft herkommt.

Bier ist mehr als einfach nur ein Getränk. Bier ist identitätsstiftend. Es gab und gibt tausenden und abertausenden Menschen Arbeit. Es ist ein hochemotionales Produkt. All diese Aspekte haben einen Stempel in der Gesellschaft hinterlassen, dessen Abdruck zu keinem Zeitpunkt verschwunden ist, und dessen Farbe aktuell wieder in neuem Glanz erstrahlt.

Wir schreiben das 9. Jahrhundert. In Mitteleuropa ist das Leben ein deutlich härteres, als wir es heute gewohnt sind. Werte wie Verzicht und Gehorsam haben nicht nur eine höhere Bedeutung, sondern sind aufgrund der Versorgungssituation und der Gesellschaftsstruktur zentraler. Trotz ohnehin wenig üppigen Zeiten üben sich die Menschen auch in strengem Fasten, da ihnen auch ihr Glaube zentral ist. Besondere Aufmerksamkeit gilt deshalb natürlich auch den Mönchen in den zahlreichen Klöstern dieser Zeit. Diese suchen nach Mitteln, sich diese entbehrungsreiche Zeit ein wenig zu erleichtern – und beginnen, selbst Bier zu brauen. Das nährstoffreiche Klosterbier gab Kraft und Ausdauer, und wurde schließlich vom Papst höchstpersönlich freigegeben. Es galt der Grundsatz „Was flüssig ist, bricht kein Fasten“.
Diese Erleichterung des damals weit verbreiteten Fastens schwappte bald auch auf die weltliche Gesellschaft über. Ein Hilfsmittel war geboren, um die strikten Gebote einzuhalten, und gleichzeitig dem Körper nicht zu viel zuzumuten. So mancher erblickt in dieser Entwicklung heute die Wurzel für die tiefe kulturelle Bedeutung des Bieres im deutschsprachigen Raum bzw. in Mitteleuropa generell.

Aus dieser entstandenen Bedeutung heraus entwickelte sich Bier zu einem Wirtschaftsfaktor und zu einem Innovationsmotor – Bauern hatten Absatzmärkte, Schenken und Gaststätten schossen wie Pilze aus dem Boden, und renommierte Wissenschaftler entwickelten Verfahren und Methoden, um die Qualität des Bieres zu erhöhen und es haltbar zu machen. „Auf ein Bier gehen“ wurde in praktisch allen Berufssparten und Schichten zum Ritual. Nahezu sämtliche Teile der Gesellschaft kamen nicht nur mit Bier in Berührung, sondern befassten sich mehr oder weniger direkt damit. Auf diese Art und Weise wurden die Wurzeln des Getränks als ein aus der Gesellschaft und der Natur heraus gewachsenes Produkt weiter gestärkt.

Heute erlebt Bier eine Renaissance. Mit Kreativität und viel Leidenschaft von Brauern und Brauereien als Ganzes konnte eine Tatsache in den Vordergrund gestellt und so die Leidenschaft und Verwurzelung in der Gesellschaft neu entdeckt werden: Trotz seiner grundsätzlich wenigen Zutaten, die für den Brauprozess nötig sind, ist das Produkt unfassbar wandlungsfähig – Ein Spielplatz für kreative Brauer. Dazu kommt in Zeiten, in denen der Mensch seine Umwelt alles andere als gut behandelt hat, ein ganz entscheidender Faktor hinzu: Bier ist ein Naturprodukt, dessen aufrichtig nachhaltige Herstellung absolut möglich ist. Man benötigt keine künstlichen Stoffe, keine gefährlichen Materialien, um ein gutes Bier zu produzieren. Diese neue Verbundenheit zur Natur ist es bestimmt ebenso, die dazu beiträgt, dass dieses Jahrtausende alte Kulturgetränk in unserer Gesellschaft einen so undurchdringlich starken Charakter genießt. Hirter Bier folgt dieser Verwurzelung, dieser Leidenschaft und dieser Verantwortung nicht umsonst bereits seit dem Jahre 1270… 😉