Wenn es um den jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von Bier geht, ist Österreich im internationalen Vergleich immer ganz vorn dabei. Verständlicherweise, sobald die Temperaturen steigen, ist Bier in aller Munde. 😉 Aber wie fundiert ist das Wissen um das flüssige Gold in unserer Biernation? In diesem Blogbeitrag erfahrt ihr Fakten und Storys rund ums Bier, von denen ihr bestimmt noch nichts gehört habt.

1. Why Gerste?

Das Reinheitsgebot besagt ja bekanntlich, dass fürs Bierbrauen nur Hopfen, Malz und Wasser verwendet werden dürfen. In der ursprünglichen Fassung des Reinheitsgebotes von 1516 war aber nicht von Malz die Rede, sondern explizit von Gerste. So gut sich Gerste für das Bierbrauen auch eignet, der Hauptgrund, warum die Gerste als zu verwendendes Getreide erwähnt wird, war ganz ein anderer. Der Weizen sollte der Herstellung von Brot vorbehalten sein, um den Hunger des Volkes zu bekämpfen. Die für Brot weniger geeignete Gerste, wurde so per Gesetz zum Big Player der Bierkultur.

2. Bier ≠ Dickmacher

Von Bier bekommt man(n) keinen Bierbauch. Von den deftigen Speisen, auf die man beim Biertrinken Lust bekommt, allerdings schon. Alkohol, Hopfen und Malz ist eine sehr appetitanregende Kombination. Der im Bier enthaltene Hopfen transportiert viele Bitterstoffe und ändert die geschmackliche Wahrnehmung. Der Magen produziert verstärkt Verdauungssekrete, man hat also Lust auf deftigere Mahlzeiten. Meistens Speisen, die länger verdaut werden müssen oder einen höheren Kaloriengehalt haben. Da der Magen aber so viel Verdauungssekrete produziert, setzt das Sättigungsgefühl erst viel später ein. Man kann also viel mehr essen, ohne sich voll zu fühlen. Wer also auf die schlanke Linie achtet, sollte eher bei den Grillwürsten als beim Bier aufpassen.

3. Bier + Baustellen = <3

Die Pyramiden von Gizeh – das letzte noch erhaltene Weltwunder der Antike – wurden von Biertrinkern erbaut. Bier ist nicht nur ein Getränk der Wikinger und Germanen. US-Archäologen fanden heraus, dass die Arbeiter täglich mehrere Liter Bier tranken. Getreide für die Bierproduktion gab es in Ägypten reichlich, und Bier war auch viel besser lagerbar als das rohe Getreide, welches Schädlinge anzog. Der Hauptgrund für den hohen Bierkonsum war aber die Vorbeugung von Erkrankungen. Das niederprozentige Getränk war um ein Vielfaches sicherer als das verschmutzte Nilwasser, welches oft Krankheiten auslöste. Bier war nicht nur Genussmittel, sondern Grundnahrungsmittel!

4. Bier = Tradition

Die älteste Brauerei der Welt ist die Bayrische Staatsbrauerei Weihenstephan im oberbayrischen Freising. Im Jahr 1040 erlangt das Kloster Weihenstephan das Brau- und Schankrecht. Seitdem wurde von ansässigen Benediktinermönchen die Biertradition über die Jahrhunderte hinweg weiterentwickelt und verfeinert. Die Braukultur überstand Kriege, politische Umbrüche und Epidemien. Im Jahr 2040 wird die Brauerei ihr 1000-jähriges Bestehen feiern. Die Brauerei Hirt, deren Startschuss im Jahr 1270 fiel, gehört mit ihren 749 Jahren auch zum europäischen Spitzenfeld in Sachen Biertradition.

5. Bier lebt?!

Das Konservierungsverfahren der Pasteurisierung ist aus der heutigen Lebensmittelindustrie nicht mehr wegzudenken. Der Erfinder Louis Pasteur hatte die Idee zum Pasteurisierungsverfahren, als er den biologischen Prozess der Gärung erforschte und entdeckte, dass Bier „lebt“. Dass Hefe eine Schlüsselrolle bei der Gärung spielte, war bereits bekannt. Aber Louis Pasteur war einer der wenigen Forscher, der vermutete, dass die Gärung von lebendigen Organismen ausgelöst wird. Seine Forschungsarbeit bestätigte seine Theorie, dass Hefepilze durch Sauerstoffmangel übermäßig Zucker konsumieren bzw. in Alkohol umwandeln. Bei Hirter wird Bier übrigens nie pasteurisiert. Das wirkt sich unvorteilhaft auf den Geschmack aus.

6. Schnecken <3 Bier

Schnecken LIEBEN Bier! Verständlicherweise. 😉 Die sogenannte „Bierfalle“ ist eine Methode, um Schnecken im Haus- und Gartenbereich zu bekämpfen. Wer von Schnecken geplagt wird, gräbt einfach eine Schale ins Erdreich, idealerweise, sodass ein bis zwei Zentimeter der Schale über den Boden ragen, damit sich andere Insekten und Spinnen nicht in die Falle verirren. Die Schale wird anschließend mit Bier befüllt. Der Biergeruch zieht Schnecken sehr stark an und lockt sie in die Schale. Diese Methode ist eine einfache und umweltfreundliche Art der Schädlingsbekämpfung, die im Gegensatz zu chemischen Mitteln für Igel, Haustiere oder Menschen völlig unbedenklich ist.

 7. Pflanzen <3 Bier

Bier werden viele heilsame Eigenschaften nachgesagt. Diese entfalten ihre Wirkung aber nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Pflanzen. Nächstes Mal, wenn ein offenes Bier übrigbleibt, das Bier einen Tag lang stehen lassen und anschließend damit die Pflanzen düngen. Das abgestandene Bier ist ohnehin nicht mehr genießbar. Der im Bier enthaltene Zucker wirkt auf Pflanzen wie ein Doping. Das Einzige, was es zu beachten gilt: Der Bierdünger ist eher für Grünpflanzen als für blühende Pflanzen geeignet. Also wenn ein Bier zu viel anfällt, nicht wegschütten, sondern der Zimmerpflanze etwas Gutes tun.

8. Bier + 0°= suboptimal

Für Cocktails werden oft eiskalte, beschlagene Gläser verwendet, um das Getränk so lange wie möglich kühl zu halten. Macht das besser nicht mit Bier. Trotz niedriger Temperaturen wird das Bier enorm schäumen, was dem flüssigen Gold nur vorzeitig die Kohlensäure entzieht und es schal schmecken lässt. Ganz davon abgesehen ist die ideale Serviertemperatur von Bier nicht „eiskalt“. Um das volle Aroma des Bieres zu schmecken und zu genießen, sollte Bier, je nach Biersorte, zwischen 6 und 12 Grad Celsius serviert werden.

9. Island <3 Bier

Wenn man an Alkoholprohibition denkt, kommen einem meistens die USA der 1920er-Jahre in den Sinn. Aber in Island galt bereits ab 1915 ein totales Alkoholverbot. Die erste Lockerung dieses Totalverbotes fand 1922 statt, als der Import von Wein wieder erlaubt wurde. Ab 1934 galt das Verbot nur noch für Bier mit mehr als 2,25 % Alkoholgehalt. Dieses letzte Verbot wurde schließlich am 1. März 1989 aufgehoben. Seitdem wird in Island am 1. März der Bjórdagurinn – der Tag des Bieres gefeiert.

Wer nach all diesen Facts sagt, er habe nichts dazu gelernt, Hut ab. So viel Wissen über Bier muss man einmal anhäufen. Was sich bei uns mittlerweile zu Genüge angehäuft hat, ist Lust auf ein kühles Bier. Denn das Wichtigste am Bier ist schließlich nicht, was man darüber weiß, sondern wie es schmeckt. Und uns schmeckt es bei Hirter am besten. (Vor allem das Kellermeister 😊)