Kommentar von Niki Riegler – Eigentümer der Privatbrauerei Hirt

Die Debatte zum Thema „Patent auf Braugerste“, zwischen multinationalen Brauerei-Konzernen und österreichischen Privatbrauereien, ist Ihnen sicher aus den Medien bekannt. Wie weitreichend die Auswirkungen solcher Patentierung auf den Biermarkt sein können, ist vielen nicht bewusst. Ich möchte heute die Gelegenheit nutzen, Ihnen meine Sicht der Dinge zu erläutern – warum ich mich so konsequent für unser aller Recht auf Marktfreiheit, Biervielfalt und echten Geschmack einsetze.
Doch kurz zurück zum Anfang – Was ist überhaupt passiert?

Bierliebhaber wissen, einer der Hauptrohstoffe für die Bierherstellung ist Malz, das aus verschiedenen Gerstenpflanzen gewonnen werden kann. Zwei namhafte multinationale Großbrauereien brachten nun auf Braugerste und alle aus ihr gewonnenen Rohstoffe einen Antrag beim europäischen Patentamt ein.

Für Privatbrauereien wie uns in Hirt und unsere Kollegen könnte eine solche Patentierung problematisch werden. Zum einen besteht die Gefahr, dass auch verwandte Gerstenstämme gesperrt werden und so der Zugang zum Gerstenmarkt erschwert wird, bis hin zu einer drohenden Abhängigkeit von Großkonzernen. Zum anderen könnte sich ein derartiges Patent auch empfindlich auf den Endkunden auswirken: Kontrollieren wenige große Unternehmen den Gerstenmarkt, bestimmen diese auch den Einkaufspreis des Rohstoffes, der sich im Endeffekt auf den Verkaufspreis beim Konsumenten niederschlägt.
Auch wird das Thema durch eine zentrale ethische Frage befeuert – „Darf es ein Patent auf Leben geben?“ Oder anders gefragt, ist es rechtlich haltbar, ein Patent auf evolutionäre Prozesse zu beantragen? Ich gehe hier noch einen Schritt weiter und frage „Wer hat denn eigentlich die Gerste erfunden? Und antworte: „NIEMAND!“

Sie werden mir Recht geben, dass der gesunde Menschenverstand es nicht zulässt, dass natürliche Entwicklungen und Mutationen patentierbar sind.
Ich möchte unseren Kunden und alle Bierliebhabern derartige wirtschaftliche und ethisch Aus- und Folgewirkungen ersparen und stelle mich hier gerne und mit Leidenschaft in den Dienst der guten Sache.

Gemeinsam mit dem Verein Arche Noah, der Initiative Keine Patente auf Saatgut sowie 40 weiteren Organisationen kämpfen wir für unser Recht auf die Erhaltung der Biervielfalt. Inzwischen wurden insgesamt drei Einsprüche gegen die geplanten Patente eingelegt. Als ersten Teilerfolg zu unseren Gunsten sehen wir, die Einschränkung von zumindest zwei der drei eingereichten Patente beim Europäischen Patentamt.

Wir werden aber nicht abwarten, sondern handeln und sehen es als unser erklärtes Ziel, weitere Lücken, die derartige Patentierungen erst ermöglicht haben, im europäischen Patentrecht zu schließen. Vor allem soll auch die Politik dazu bewegt werden, weitere Patente auf Pflanzen zu verhindern, denn die Anzahl der patentierten Kulturpflanzen steigt stetig.
Eine weiterhin emotionale Debatte, bei der viel auf dem Spiel steht, bahnt sich in den nächsten Wochen und Monaten an. Wer dabei den längeren Atem hat, wird sich zeigen, allerdings setzt sich echte Leidenschaft am Ende immer durch. 😉