Über 500 Jahre alt und aktuell wie nie, einer breiten Öffentlichkeit bekannt und aufgrund seiner Bedeutung hoch geschätzt. Das weltberühmte Reinheitsgebot von 1516 ist wohl die einzige historische Lebensmittelrichtlinie, die heute einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist. Doch wie entstand es, und was steht eigentlich wirklich drin? Eine Spurensuche.

Klar, da steht drin, dass Bier nur aus Wasser, Hopfen und Gerste bestehen darf!“. Fragt man eine beliebige Person auf der Straße, ob man denn das Reinheitsgebot von 1516 kenne, kommt diese oder eine ähnlich formulierte Antwort beinahe reflexartig. Doch stimmt das wirklich so? Und ist das tatsächlich alles? Wäre doch eigentlich bemerkenswert, wenn so eine kurze und eigentlich unspektakuläre Bestimmung einen solchen Status für sich beanspruchen könnte, oder? 😉 😉

Unsere Reise beginnt – wenig überraschend – am Anfang. An einem Anfang, an dem Experimente beim Brauen, teilweise mit unangenehmen Folgen für die Konsumenten und undurchsichtige Preisstrukturen sowie dürftige Qualität an der Tagesordnung standen. Zwar hatten einzelne Städte in Bayern – etwa Augsburg, Nürnberg, München oder Regensburg – bereits eigene Vorschriften erlassen, eine einheitliche Verordnung hatte jedoch gefehlt. Dieser zunehmende Wirrwarr war den bayrischen Herzögen Wilhelm IV. und Ludwig X. ein solcher Dorn im Auge, dass diese 1516 eine einheitliche Ordnung über Inhaltsstoffe und Preise für Bier durchsetzten, die später als das „Bayerische Reinheitsgebot“ bekannt wurde. Dieser Name ist übrigens keineswegs so alt wie das Dokument selbst, sondern wurde erst 1918, also über 400 Jahre später, in einer Sitzung des bayrischen Landtages erstmals erwähnt. Auch ist das Reinheitsgebot entgegen weit verbreiteter Meinung kein einzelnes Dokument, sondern Teil einer gesamtbayrischen Landesordnung, die von den beiden weitsichtigen Herzögen erlassen wurde.

Ein sehr hartnäckiger Irrglaube ist, dass das Reinheitsgebot bis auf die oben genannten Inhaltsstoffe keine Ausnahmen zulässt. So existiert eine lange Liste an Hilfsstoffen, die sehr wohl zugelassen sind. Einzige Ausnahme ist dabei das Ursprungsland Bayern, das von sich behauptet, wirklich einzig die vier Grundstoffe verwenden zu dürfen. Dennoch sind die Bestimmungen über den Freistaat hinaus nicht so rigide.

Bemerkenswert ist, dass sich das Gebot, obwohl es sich ursprünglich nur auf Bayern bezog, in der gesamten deutschsprachigen Welt durchgesetzt hat. Dies hat seine Wurzeln wohl in einem einzigen Grund: Die Qualität der nach dem Gebot gebrauten Biere war schon unmittelbar nach seiner Einführung über jeden Zweifel erhaben.

Die Bedeutung des geschichtlich bemerkenswerten Textes liegt heute wohl darin, dass eine Vorschrift aus dem Jahre 1516 in ihren Grundelementen auch im Jahr 2018, also über 500 Jahre später, immer noch strikt eingehalten wird und nach wie vor einen der Garanten für die Reinheit und Qualität von Bieren darstellt. Die historischen Gedanken haben einen beispiellosen Entwicklungsprozess in Gang gesetzt, der bis heute anhält und gelebte Geschichte mit hochmoderner Technologie des 21. Jahrhunderts auf unnachahmliche Weise vereint. All das schmeckt man bis heute auch in den Produkten der Hirter Familie, wie dem Privat Pils, Märzen, 1270er, Kellermeister und vielen mehr 😊 😊
Das Bier-Brauen ist übrigens heute auch im Österreichischen Lebensmittelbuch geregelt, nach welchem auch bei uns in Hirt gebraut wird. Entsprossen ist diese Vorgabe jedoch auch aus der über 500 Jahre alten Lebensmittelrichtlinie, deren Anfänge und Wurzeln wir in diesem Beitrag erkundet haben 🙂