Bier bedeutet echte Leidenschaft – und alles, was Leidenschaft hervorruft, ist auch automatisch ein Inhalt heißer Diskussionen und weit verbreiteter Halbwahrheiten. Ein jahrtausendealtes Kulturgetränk, um das sich zahlreiche Mythen ranken. Und einigen der gängigsten dieser Mythen wollen wir uns heute annehmen.

Mit Bier ist es ein bisschen wie mit dem Fußball. Gefühlt jeder im Lande kennt sich damit aus, weiß über seine Eigenheiten Bescheid, und wenn man mit 10 Personen spricht, erhält man ungefähr 15 Meinungen – Nur woher kommt dieses „Wissen“, das so oft Inhalt angeregter Diskussionen ist? Tatsache ist, um kaum ein Produkt ranken sich derartig viele Halbwahrheiten und Binsenweisheiten, wie um das Lieblingsgetränk der Österreicher. Zeit für uns, die gängigsten dieser sogenannten „Urban Myths“ unter die Lupe zu nehmen.

Wenn’s sogar im Namen steckt, dann muss es ja stimmen, oder? Warum würde man den Bierbauch sonst Bierbauch nennen? Klingt logisch – ist es aber absolut nicht. Der dicke Bauch kommt in erster Linie dann zustande, wenn man über einen längeren Zeitraum mehr Kalorien zu sich nimmt, als man verbraucht. Nun ist Bier tatsächlich ein äußerst kalorienarmes Getränk, nur Kaffee (ohne Zucker), Tee und natürlich Wasser haben weniger. Daran kann es also nicht liegen – allerdings regt Bier erwiesenermaßen den Appetit an. Der „Bierbauch“ ist also nicht dem Bier zuzuschreiben, sondern ist ein Ergebnis des generellen Lebenswandels.

„Ich freu mich heut‘ auf ein kaltes Bier!“. Wer kennt ihn nicht, den berühmten Feierabend-Stehsatz. Kleiner Tipp, nächstes Mal, antwortet darauf mit „Weißt du was, ich mich nicht.“ 😉 Wartet auf die verwirrten Blicke, und sagt dann ganz einfach: „Ich freu mich nämlich auf ein richtig temperiertes Bier!“. Es ist ein gängiger Irrglaube, dass Bier generell kalt serviert werden muss. Das ist nämlich ganz einfach eine Frage der Sorte. Während etwa ein Hirter Märzen oder Privat Pils am besten zwischen ca. 7 und 9 °C serviert wird, gibt es auch Sorten wie etwa Ales, die bei bis zu 12°C ideal trinkbar sind. Zu kaltes Bier macht nichts anderes, als die Geschmacksknospen zu betäuben – und dann schmeckt alles gleich.

„Bier auf Wein, das lass sein…“ – Wir alle wissen, wie dieser Spruch weitergeht, oder? Seit ewigen Zeiten wird eine starke Alkoholisierung diesem weit verbreiteten Mythos zugeschrieben. Allerhand Argumente werden da aus dem Köcher gefeuert, oftmals eines abstruser als das andere. Wissenschaftlichen Beleg für einen Zusammenhang gibt es jedoch keinen. Vielmehr gilt heute eine historische gesellschaftliche Verbindung als maßgebend: Bier galt in früheren Zeiten als das einfache Getränk der Arbeiter, während dem Wein die Rolle des Getränks der reichen Bürger zugeschrieben wurde. Stieg man also von Wein auf Bier um, machte man freiwillig einen symbolischen sozialen Abstieg – Heute freilich ein ziemlich abstraktes Argument, aus dem sich ein hartnäckiger Bier-Mythos entwickelte. Heute steht Bier in Sachen Stilvielfalt dem Wein um nichts nach – ein buntes Potpourri an Sorten und Stilen hat sich über die Jahre entfaltet. Sprach man vor nicht allzu langer Zeit noch fast ausschließlich vom richtigen Wein als Begleitung für Speisen, bewegt sich Bier auch in dieser Hinsicht mittlerweile auf Augenhöhe. Ob einfaches Gericht oder Gourmet-Menü vom Spitzenkoch, die Rolle des Bieres als idealer Speisebegleiter ist mittlerweile unbestritten.

Wir könnten an dieser Stelle ewig so weitermachen, zu viele Urban Myths sind da draußen weit verbreitet – und dennoch, auf die bekanntesten und wohl am weitesten verbreiteten konnten wir euch wohl ganz gut vorbereiten. In diesem Sinne wünschen wir euch viel Spaß bei den nächsten Diskussionen mit Freunden und Familie 😉