Wir tun es praktisch immer. Jedes Mal, wenn wir mit Freunden in gemütlicher Runde zusammensitzen – und hinterfragen es in den meisten Fällen nicht. Mit einem guten Bier stößt man einfach an. Heute eine Selbstverständlichkeit in der Trinkkultur, muss auch dieses Ritual seine Wurzeln haben. Wo die Wurzeln dieses und vieler anderer bekannter und weniger bekannter Trinkrituale liegen, damit wollen wir uns heute befassen.

Ihr habt es bestimmt schon geahnt. Die eine Erklärung, warum das Anstoßritual zu dem wurde, was es heute ist, gibt es nicht. Vielmehr ranken sich zahllose Mythen, Überlieferungen und Geschichten um diese Verhaltensweise.
„Ist doch klar, das wurde gemacht um sicherzugehen, dass niemand mein Getränk vergiftet hat!“ – mit den vollen Gläsern anstoßen, ein kleiner Schütter geht in das Glas des anderen und so würde sich ein Attentäter selbst vergiften. Klingt doch logisch, oder? Ist aber leider getrost ins Reich der Mythen zu verbannen – eine solche Erklärung ist wissenschaftlich nicht belegt.

Schon wahrscheinlicher ist, dass der Brauch seine Wurzeln im Mittelalter hat. An den großen Tafeln dieser Zeit entwickelten die Menschen eine eigene Verhaltensweise: Der Gastgeber prostete allen Gästen zu und reichte anschließend seinen Becher weiter – jeder anwesende nahm einen Schluck, um den Gastgeber und seine Ahnen zu ehren. Als die Tafeln kleiner und weniger opulent wurden, entwickelte sich daraus ein Anstoßen mit den Gläsern.

Der berühmte venezianische Händler Marco Polo beschrieb bei seinen Reisen nach China im 13. Jahrhundert eine nach heutigen Maßstäben bizarr anmutende Praxis – die Musik spielte, bis der Kaiser sein Glas zum Trinken ansetzte. Man stelle sich die Situation vor: Ausgelassene Stimmung, Tanz und Musik – bis einer trinkt…
In afrikanischen Gesellschaften wurden Glocken geläutet, wenn man Bier oder Wein trank – um die Geister zu vertreiben. Richtig, die Geister, die einen nach übermäßigem Konsum gerne am nächsten Tag heimsuchen… Wäre für so manchen auch eine Lösung.

Tatsache ist, die Rituale des Biertrinkens sind so komplex und umfassend, wie die Biersorten – Gesellschaften brachten über die Jahre eigene Rituale hervor, passten diese an, oder verwarfen sie wieder. So lässt sich der Ursprung des Anstoßrituals unserer Prägung nur noch rudimentär zurückverfolgen, was möglicherweise zu dessen Beliebtheit nur noch mehr beigetragen hat. Mit einem guten Hirter Privat Pils, Hirter Märzen oder Hirter 1270er stoßen wir so oder so immer gern an 😉